Prof. Dr. Michaela Brohm

Leistung und Glück

Motivation, Lernen, Positive Psychologie und Positive Führung

Im Kern geht es somit um Konzepte, Strategien und Effekte positiver Energetisierung von Mensch und Organisation (FAZ: „Die Energie-Beraterin“). Im Mittelpunkt steht ein neues, humanistisches Leistungsparadigma und der Zusammenhang von Leistung und Wohlbefinden – Leistung und Glück.

 

nächster Termin: 01. Juni 2016

Kolloquium für Motivation und Positive Psychologie, Universität Trier, Vortrag: Heiße Leistung – kalte Leistung. Warum wir Leistung neu denken sollten.

 

.Michaela Brohm

 

 

Home Michaela Brohm

 

Leistung und Zeit

Wertvoller Zustand: Wir sind wach, selbstaufmerksam, nehmen andere Menschen wahr und denken über die Auswirkungen unseres Verhaltens nach. Selbstreflexion meint genau dieses Nachdenken über das Selbst, die eigenen Handlungen und Handlungskonsequenzen.

Und dafür braucht es Zeit. Eine ruhige Zeit des Denkens. Erstaunlich ist, dass das Maß der Reflexion mit der Leistungsstärke zusammenhängt: In einer aktuellen Studie untersuchten wir den Einfluss der Reflexionsfähigkeit auf die Leistungsmotivation und fanden bedeutsame Zusammenhänge: Von der Grundschule bis hin zum Abitur (N=654) zeigten Mehrebenenanalysen an Schülerdaten starke, signifikante Assoziationen zwischen Reflexibilität und Leistungsmotivation (p < 0.001, 0.27). Zudem war Flow-Erleben signifikant mit hohem Leistungsstreben (p < 0.001, 0.35) und hohen Werten für Ausdauer und Fleiß assoziiert (Brohm/Vogt im Druck).

Die zunehmende Verdichtung von Lernzeit und Arbeitszeit in auf Wettbewerb ausgerichteten Leistungsstrukturen verknappt genau diese zur Reflexion notwendige Zeit, denn im Alltagsverständnis, wie auch physikalisch, beschreibt Leistung lediglich die in einer Zeiteinheit verrichtete Arbeit. Leistung ist Arbeit durch Zeit (L = A/t). Gemessen wird sie anhand ihrer Effektivität und Effizienz.

Dieses Leistungsverständnis führt zu einer zunehmenden Verdichtung von Lern- und Arbeitszeit und hin zu auf Wettbewerb ausgerichtete Leistungsstrukturen; es bleibt kein Raum mehr für ruhige, tiefe, menschengerechte Entwicklung, denn maximale Leistung = maximaler Arbeitsoutput bei minimalem Zeiteinsatz. Mehr in weniger Zeit. Es geht also hier um ein kaltes Verständnis von Leistung. „Kalte Leistung“ sozusagen.

Und das hat Folgen auf gesellschaftlicher, organisationaler und Individualebene:

  • Diese rasant wachsende Weltbevölkerung verhält sich rasant gnadenlos gegen Wasser, Erde, Wald, Klima, Arten, Kosmos und den rivalisierenden Menschen selbst (vgl. Emmott 2015).
  • Beschränkt kommt auch die Reflexionsfähigkeit eines Teils unserer „Leistungs-Eliten“ daher. Mit Blick auf die eigenen Handlungsfolgen bezüglich des Wohlergehens von Menschen gar morbide beschränkt: Angesichts tugendloser Führungskräfte die kompetitive Leistungsorientierung befeuern, Abteilungen oder ganze Unternehmen mit Lug und Trug überziehen, Vertrauen zersetzen und Existenzen gefährden (z.B. VW-Betrug, Gammelfleisch, belastete Babynahrung, Mogelpackungen, Plagiate, „bereinigte“ Daten, Panamapapiere, Sommermärchen) können wir plausibel annehmen, dass die „Pseudo-Eliten“ dabei sind, die Reflexionsfähigkeit hinsichtlich ihrer Handlungskonsequenzen zu verlieren (Brohm 2016; Brohm, im Druck).
  • Gleiches gilt im Kontext der Zunahme an verhaltens- und emotionalen Störungen (oft Dissozialität!) bei Kindern und Jugendlichen (Statistisches Bundesamt 2015).
  • Gleichzeitig steigen die Burnout-, Depressions- und Psychopharmakaraten rasant (Statistisches Bundesamt 2015).
  • Demotivation: 85 % der deutschen Arbeitnehmer/innen sind tendenziell negativ gegenüber ihrer Arbeit und/oder dem Arbeitgeber eingestellt sind (Galupp-Studie, Nink 2015), liefern unzureichende, mangelhafte bzw. destruktive Ergebnisse, stecken ihre Kolleg/innen damit negativ an und verursachen hohe Krankheits-, und Fluktuationskosten durch erneute Stellenausschreibungen, Einarbeitungszeiten, Wissenstransferkosten, Know-How-Verlust usw. 

Wollen wir die Leistungsfähigkeit erhalten, wollen wir ein menschengerechtes Leben führen, brauchen wir ein neues Leistungsparadigma, nämlich eines, welches das Wohlbefinden einschließt: Denn es geht um das Wohlergehen der wachsenden Weltbevölkerung, es geht darum, die anstehenden Herausforderungen der Weltgesellschaft, der Organisationen und Individuen mit einer reflektierten, philanthropischen Grundhaltung zu meistern. Es gilt, humanistisch zu leisten. Leistung ist Arbeit x Wohlbefinden durch Zeit (L = (A x W)/t). Es geht um „Heiße Leistung“, sozusagen.

Humanistisches Leistungsparadigma

(Zusammenfassung meines Blogs auf Spektrum der Wissenschaft. Ausführlich unter Spektrum der Wissenschaft, scilogs)

 

Literatur

Brohm, M./Vogt, D. (in Druck). Leistungsmotivation: der Einfluss von Flowerleben und Reflexionsfähigkeit. In G. E. Dlugosch, J. Fluck & C. Marquardt (Hrsg.), Gesundheit und Bildung: Schülergesundheit (Empirische Pädagogik, 30 (2), Themenheft). Landau: Verlag Empirische Pädagogik.

Brohm, Michaela
Werte, Sinn und Tugenden als Steuerungsgrößen in Organisationen. Für Fach- und Führungskräfte (essentials). Wiesbaden, Springer (im Druck).

Brohm, Michaela
Positive Psychologie in Bildungseinrichtungen (2016). Für Führungskräfte (essentials). Wiesbaden, Springer).

Emmott, S.,(2015). 10 Milliarden. Suhrkamp Taschenbuch.

Nink, M. Engagement Index (2015). Die neuesten Daten und Erkenntnisse aus 13 Jahren Gallup-Studie. München. Redline.

Statistisches Bundesamt. (2015). Gesundheitsberichtserstattung des Bundes.http://www.gbe-bund.de/gbe10/ abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gast&p_aid=93557518&p_sprache=D&p_knoten=TR200 (Zugriff: 24.11.15).